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Nisthilfen · Anleitung

Wo Wildbienen wohnen.

Die meisten Wildbienen leben solitär, nicht im Volk. Über 70 Prozent nisten im Boden, andere in hohlen Stängeln oder Totholz. Jede Gruppe braucht etwas anderes, ein einzelnes Standard-Insektenhotel deckt das nicht ab. Und ehrlich: die meisten gekauften Hotels sind schlecht gemacht. Hier steht, was wirklich funktioniert.

Keine Sorge

Das meiste hier kostet wenig und ist in einer halben Stunde gemacht.

Ein morscher Holzklotz, ein Bündel sauber abgeschnittener Bambus, ein tiefer Topf mit Sand. Wenn du unsicher bist, was zu deinem Balkon passt oder wo du anfängst: ich helfe dir gern, kostenlos.

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Drei Arten zu wohnen

Nicht jede Wildbiene will dasselbe.

Deshalb bringt das eine Standard-Insektenhotel auch nur einem Teil etwas. Diese drei Gruppen kannst du auf einem Balkon ansprechen, alle drei mit einfachen Mitteln. Die Fotos sind echt, von einem Balkon in Leipzig.

Wildbiene auf sandigem Boden an einem NesteingangDie Mehrheit

Bodennister

Über 70 Prozent der Wildbienen nisten im Boden, Sand- und Furchenbienen zum Beispiel. Das ist auf dem Balkon der schwierigste Typ: flache Bodennister suchen größere, offene Erdflächen am Boden, eine einzelne Wanne im dritten Stock finden sie selten. Die ehrliche Balkon-Variante ist eine senkrechte Lehmwand für die Frühlings-Pelzbiene.

  • Realistisch oben: eine Lehm-Steilwand für die Pelzbiene
  • Flache Sandwanne: eher ebenerdig, auf Terrasse oder im Hof
  • Liegt dein Balkon hoch, lohnen Blüten und Höhlennister mehr
Was wirklich klappt
Rote Mauerbiene an einem Bündel BambusröhrenDie bekannten

Höhlennister

Mauer- und Maskenbienen beziehen vorhandene Hohlräume. Hier helfen Bambusröhren und angebohrte Harthölzer, das, was die meisten als Insektenhotel kennen. Aber nur, wenn es gut gemacht ist.

  • Innendurchmesser 2 bis 9 mm, mit Schwerpunkt auf 3 bis 6 mm
  • Hinten geschlossen, glatt, splitterfrei
  • Sonnig und regengeschützt aufgehängt, fest, nicht baumelnd
Worauf es ankommt
Blauschwarze Holzbiene an einem morschen Totholz-StammDie Selbstgräber

Totholz

Die Blauschwarze Holzbiene nagt ihre Gänge selbst in morsches Hartholz. Ein abgelagerter, morscher Holzklotz auf dem Regal reicht schon. Auf einem Balkon in Leipzig sind daran aktuell mehrere Weibchen aktiv.

  • Morsches, abgelagertes Hartholz, je dicker desto besser
  • Sonnig stellen, die Holzbiene mag es warm
  • Liegen oder stehen lassen und Geduld haben, das kann dauern
Erdnest einer Sandbiene: ein kuppelförmiger Hügel aus ausgegrabener Erde mit dem Eingang zum Brutgang in der Mitte

So sieht ein Bodennest aus: Eine Sandbiene hat ihren Gang in die Erde gegraben, der Aushub bildet einen kleinen Krater. Die Mehrheit der Wildbienen nistet so.

Foto: Entomart · Wikimedia Commons

Ehrlich gesagt

Bodennister sind die Mehrheit, und auf dem Balkon am schwersten.

Über zwei Drittel der Wildbienen nisten im Boden. Aber genau dieser Typ lässt sich oben am schlechtesten nachbauen: flache Bodennister wie die meisten Sandbienen suchen größere, zusammenhängende Erdflächen am Boden, eine einzelne Wanne im dritten Stock finden sie selten. Dazu sind 30 cm Sand-Lehm bleischwer. Liegt dein Balkon hoch, holst du mehr heraus, wenn du in Blüten und Höhlennister investierst. Es gibt aber eine bodennistende Art, die auch oben zuverlässig kommt, und für die lohnt sich der Aufwand.

Bewohnter Lehm- und Tonblock in einer Nisthilfe mit offenen und mit Lehm verschlossenen Brutgängen

Ein bewohnter Lehm- und Tonblock. Die offenen und mit Lehm verschlossenen Gänge zeigen, was Steilwand-Nister daraus machen, jedes verschlossene Loch ist eine Brutzelle.

Foto: Bernd Trommer · CC BY 4.0 · Wikimedia Commons

Bodennister · die Balkon-Variante

Eine Lehmwand für die Frühlings-Pelzbiene

Die Frühlings-Pelzbiene (Anthophora plumipes) gräbt nicht in flachen Boden, sondern in senkrechte Lehm- und Lößwände. Solche Steilwände nimmt sie auch in der Höhe an, sie ist eine kräftige, früh fliegende Art, die Balkone gut findet. Auf einem Balkon in Leipzig nistet aktuell eine ganze Gruppe in genau so einem Substrat. Das ist der ehrlichste Weg, Bodennistern oben ein Zuhause zu geben.

Fertiges Steilwand-Substrat

Eine gebrauchsfertige Lehmmischung für Steilwand- und Lößnister wie die Frühlings-Pelzbiene. Lagenweise in einen Kasten füllen, sonnig und regengeschützt aufstellen, fertig. Selbst anrühren ist heikel (Risse, Festigkeit), die fertige Mischung ist den Aufwand wert.

Bodennister · die schwierige Variante

Sand-Lehm-Linse, am besten ebenerdig

Wenn du ebenerdig Platz hast, auf einer Terrasse, im Hof oder Garten, ist eine offene Sand-Lehm-Fläche für flache Bodennister großartig. Auf einem hochgelegenen Balkon ist sie der schwierigste Versuch: schwer, geduldsbedürftig, und sie bleibt vielleicht jahrelang leer. Wer es trotzdem probieren will, so geht die Mischung:

Mischung

  • 70 %

    Kalkfreier, feiner Quarzsand

    Hier NICHT Spielsand, der ist oft kalkhaltig und zu fein. Quarzsand 0,1 bis 2 mm.

  • 30 %

    Lehm (Pulver oder krümelig)

    Bentonit/Tonmehl, alternativ Garten-Lehm oder Lehmpulver online. Wo im Baumarkt, steht im Substrat-Übersetzer.

  • +

    Wasser zum Anfeuchten

    Bis die Mischung formbar ist, wie Sandkuchen-Sand.

Wichtig

  • Mischung mindestens 30 cm tief anbieten, in eine stabile Schale oder einen tiefen Topf, gut andrücken.
  • Sonnig aufstellen, Wildbienen brauchen warmen Untergrund.
  • Im Frühling nicht umrühren oder umgraben, falls schon Brut drin ist, killst du sie sonst.
  • Wenn nach zwei Jahren nichts passiert: Standort prüfen (zu schattig, zu hoch?), Mischung trockener oder körniger machen.

Woher du Quarzsand und Bentonit bekommst, steht im Baumarkt-Übersetzer auf der Substrat-Seite.

Höhlennister · Qualität entscheidet

Die meisten gekauften Insektenhotels sind Schrott.

Das ist keine Übertreibung, sondern Konsens unter Wildbienen-Fachleuten. Ein gutes Nistholz ist trotzdem kein Hexenwerk. Die Regeln in einer Übersicht:

Gut gemacht

  • Abgelagertes, trockenes Hartholz (Buche, Esche, Eiche, Obstbaum)
  • Quer zur Faser bohren (Längsholz), nicht in die Stirnseite von Baumscheiben
  • Durchmesser 2 bis 9 mm, mit klarem Schwerpunkt auf 3 bis 6 mm
  • Tiefe rund 8 bis 10 cm und hinten geschlossen (Sackloch, kein Durchbohren)
  • Bohrränder sauber entgraten, damit sich keine Flügel verletzen
  • Bambus und Schilf sauber abschneiden, am Knoten hinten geschlossen
  • Pappröhrchen sind super, weil man sie zur Reinigung herausnehmen kann

Finger weg

  • Nadelholz, das Harz verklebt den Bienen die Flügel
  • Feuchtes oder weiches Holz, es schimmelt und reißt
  • Bohrungen in Hirnholz (Baumscheiben), sie reißen und lassen Parasiten rein
  • Glas- und Acrylröhrchen, luftdicht, das Kondenswasser verpilzt die Brut
  • Gebrannte Ziegel mit Löchern über 1 cm, viel zu groß, bleiben leer
  • Tannenzapfen, Stroh, Holzwolle, reine Deko, kein Nutzen für Wildbienen
  • Alles aus Plastik

Der richtige Platz

Eine perfekte Nisthilfe am falschen Ort bleibt leer.

Sonnig, am besten mit Morgensonne

Richtung Südost, damit die Tiere früh warm werden. Volle Sonne ist gut, Wildbienen brauchen Wärme.

Regengeschützt

Ein kleines Dach mit Überstand oder ein geschützter Platz unter dem Balkon darüber. Dauernässe lässt die Brut verpilzen.

Fest montiert, nicht baumelnd

Die Nisthilfe darf nicht im Wind schaukeln. Die Bienen müssen die waagerechten Gänge sauber anfliegen können, also nichts davor hängen lassen.

Ganzjährig stehen lassen

In den Röhren und Gängen sitzt die nächste Generation und überwintert. Nicht im Herbst aufräumen, erst ab April wird vorsichtig sauber gemacht.

Wenig Zeit oder Lust auf Basteln?

Es gibt auch fertige, die wirklich gut sind.

Kaufen ist völlig in Ordnung, solange die Qualität stimmt. Diese hier kommen von Leuten, die wissen, was sie tun, allen voran Volker Fockenberg, ein anerkannter Wildbienen-Fachmann.

Fertige Nisthölzer und Niststeine

Wer nicht selbst bohren will: Fockenberg fertigt Nisthilfen, die die oben genannten Kriterien erfüllen, glatte Bohrungen, richtige Durchmesser, gutes Holz.

Zwei kleine Extras

Kostet fast nichts, hilft trotzdem.

Stängel über den Winter stehen lassen

In hohlen und markhaltigen Pflanzenstängeln überwintern Larven. Der Aufräum-Impuls im Oktober killt die nächste Generation. Erst im Frühling schneiden, und das Schnittgut ein paar Wochen liegen lassen.

Eine flache Wasserstelle

Eine flache Schale mit Wasser und ein paar Steinen als Landeplatz wird erstaunlich gut angenommen, nicht nur von Bienen. Auf einem Balkon in Leipzig ist eine Pechlibelle Stammgast an der Tränke.