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Substrat · Anleitung

Was Wildpflanzen wirklich brauchen.

Standard-Blumenerde ist den meisten Wildpflanzen zu fett. Die guten Rezepte dagegen sind für Leute mit Garten geschrieben, mit Aushub und Kompostbox. Hier übersetzen wir sie für alle, die alles im Baumarkt kaufen.

Keine Sorge

Das mag nach viel aussehen, wenn man sich noch nie mit Erde und Substrat beschäftigt hat.

Ist es aber nicht. Und falls du doch im Baumarkt stehst und nicht weiterweißt oder unsicher bist, was in deinen Topf gehört: Ich helfe dir gern weiter, kostenlos und ganz ohne Fachbegriffe.

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Warum überhaupt

Wildpflanzen sind an magere Standorte angepasst.

Salbei wächst am sonnigen Hang, Schafgarbe auf der Magerwiese, Thymian zwischen Steinen. Wenn du eine Wildpflanze in nährstoffreiche Blumenerde setzt, schießt sie in die Höhe, wird weich und faulig, blüht weniger und überlebt den ersten Winter oft nicht. Das Substrat ist der Unterschied zwischen „hält eine Saison“ und „kommt jedes Frühjahr wieder“.

Für die meisten · Stadt ohne Garten

Weg 1: Alles aus dem Baumarkt

Du hast keinen Garten, keinen Aushub, keine Kompostbox. Dann sind das deine Rezepte. Katharina Heuberger hat sie für Menschen mitten in der Stadt entwickelt, mit Zutaten, die man wirklich kaufen kann. Sie unterscheidet bewusst nicht nach Standort.

Weg 1 · Am einfachsten

Drittel-Mischung, komplett aus dem Baumarkt

Wenn du keinen Garten und keinen Aushub hast: Diese drei Zutaten bekommst du alle in jedem größeren Baumarkt. Funktioniert für die meisten sonnigen bis halbschattigen Wildpflanzen.

Mischung

  • Torffreie Bio-Pflanzerde

    Die Basis. Aufs Label „torffrei“ achten.

  • Gütegesicherter Grünkompost

    Im Sack als „Bio-Kompost“. Oder dein eigener vom Balkon.

  • Mineralisches (Sand, Lava, Bims, Blähton, Splitt)

    Sorgt für Magerkeit und Drainage. Im Laden: „Pflanzgranulat“ oder „Bims-Lava-Gemisch“.

Wichtig

  • Gilt für alle Standorte, sonnig wie schattig. Im Schatten darfst du das Mineralische etwas reduzieren.
  • Nicht düngen im ersten Jahr.

Nach Katharina Heuberger, Mein wilder Meter

Weg 1 · Variante

Bioerde plus lehmiger Sand

Noch simpler, nur zwei Komponenten. Gut, wenn du es nicht zu mager, aber durchlässig willst.

Mischung

  • Torffreie Bio-Pflanzerde

    Substrat-Basis.

  • Lehmiger Sand

    Sand mit etwas Bentonit/Tonmehl eingerührt, siehe Übersetzer unten. Den fertig zu kaufen ist der Knackpunkt.

Wichtig

  • Gilt ebenfalls für alle Standorte.
  • Der lehmige Sand ist die eine Zutat, die der Baumarkt nicht fertig hat. Wie du sie selbst machst, steht im Übersetzer.

Nach Katharina Heuberger, Mein wilder Meter

Wenn du Aushub und Kompost hast

Weg 2: Standortgenau, für Gärtner

Wer beim Graben unkrautfreien Unterboden abbekommt und eine Kompostbox hat, kann genauer mischen. Reinhard Witt unterscheidet hier nach Licht, dieselbe Logik wie unsere Kombinationen: sonnig braucht mehr Drainage, Schatten weniger.

Weg 2 · Sonnig

Grundmischung für sonnige Lagen

Sonnige Standorte brauchen mehr Drainage, deshalb der hohe Sand- und Mineralanteil. Für Salbei, Thymian, Schafgarbe, Karthäuser-Nelke und alles, was Trockenheit liebt.

Mischung

  • 40 %

    Unkrautfreier Garten-/Unterboden

    Aushub beim Umgraben. Die klassische Gärtner-Zutat.

  • 35 %

    Grünkompost

    Etwa aus der Kompostbox vom Balkon.

  • 20 %

    Sand oder Kies

    Für die Drainage.

  • 5 %

    Blähton

    Lockert auf und speichert etwas Wasser.

Wichtig

  • Faustregel, wenn du nicht abwiegen willst: je ein Drittel Sand/Kies, Lehm/Unterboden und Kompost.

Nach Reinhard Witt, Das Wildpflanzentopfbuch

Weg 2 · Halbschatten & Schatten

Grundmischung für halbschattige und schattige Lagen

Hier ist es von Natur aus feuchter, deshalb die drainierenden Zuschläge stark reduzieren. Für Lungenkraut, Taubnessel, Waldmeister, Glockenblumen.

Mischung

  • 50 %

    Unkrautfreier Garten-/Unterboden

    Aushub beim Umgraben.

  • 45 %

    Grünkompost

    Etwa aus der Kompostbox vom Balkon.

  • 5 %

    Sand oder Kies

    Nur noch eine Prise, der Schatten hält die Feuchte.

Wichtig

  • Im Schatten ist zu viel Sand kontraproduktiv, die Erde trocknet sonst zu schnell aus.

Nach Reinhard Witt, Das Wildpflanzentopfbuch

Das Kernstück · Baumarkt-Übersetzer

Die Rezept-Zutat heißt im Laden ganz anders.

Der häufigste Frust: Man steht im Baumarkt und findet die Hälfte der Zutaten nicht, weil sie dort schlicht anders heißen oder in einer ganz anderen Abteilung stehen. Hier die Übersetzung. Die großen Ketten (Hornbach, OBI, toom, Bauhaus) führen das alle, mit Filialen quer durch Leipzig.

Torffreie Bio-Pflanzerde

Erden

Im Laden: „Pflanzerde“ oder „Blumenerde“ mit Label „torffrei“

Viele billige Erden enthalten weiter Torf. toom und Hornbach führen nur noch torffreie Erden, sonst aufs Label schauen.

Mineralisches: Lava, Bims, „Naturbims“

Erden / Granulat

Im Laden: „Pflanzgranulat“ oder „Bims-Lava-Gemisch“

Nimm das rein mineralische, UNGEDÜNGTE (z.B. ein Bims-Lava-Gemisch). Finger weg von vorgedüngten Hydro-Granulaten (Lechuza und Co.), die sind für magere Wildpflanzen zu fett. Feine Körnung (2-5 mm) mischt sich besser ein.

Sand (zum Auflockern)

Garten / Baustoff

Im Laden: „Spielsand“, 25-kg-Sack

Zum Magern und Drainieren der Erde völlig ok. Für die Sand-Lehm-Linse bei den Nisthilfen dagegen besser kalkfreier, feiner Quarzsand, kein Spiel- oder Bausand.

Splitt / Kies

Baustoff / Garten

Im Laden: „Basaltsplitt“, „Granitsplitt“, „Zierkies“, Körnung 2-8 mm

Meist nur im Großgebinde. Schwer, auf dem Altbau-Balkon sparsam einsetzen, siehe Gewicht weiter unten.

Lehm / „lehmiger Sand“

Gartenhilfsstoffe / Bodenverbesserer

Im Laden: Bentonit / Tonmehl in den Sand einrühren

Die eine Zutat, die der Baumarkt nicht fertig hat. Bentonit ist Tonmineral (z.B. als „Sandboden-Verbesserer Bentonit“), es bindet Sand und hält Wasser, also genau das, was „lehmiger Sand“ tun soll. Alternativ Lehmpulver online.

Grünkompost

Erden

Im Laden: „Bio-Kompost“ / „Kompost“, möglichst RAL-gütegesichert

Qualität schwankt stark. Wenn du eine Kompostbox auf dem Balkon hast, ist dein eigener besser und kostenlos.

Blähton / Perlite (leicht + drainierend)

Erden / Anzucht

Im Laden: „Blähton“, „Perlite“

Leichter als Sand und Splitt und speichern etwas Wasser. Die Balkon-freundliche Art, ein Substrat durchlässig UND leicht zu machen.

Gesteinsmehl

Garten / Dünger

Im Laden: „Urgesteinsmehl“ / „Gesteinsmehl“

Mineralische Grundversorgung ohne Überdüngung, rein pflanzlich. Eine Handvoll pro 10 Liter reicht, der Sack hält ewig.

Was du im Baumarkt nicht findest: unkrautfreien Unterboden.

Das ist die klassische Gärtner-Zutat aus Weg 2, der Aushub beim Graben. In der Stadt ersetzt du sie schlicht durch torffreie Bio-Pflanzerde, bei Bedarf mit einer Prise Bentonit für etwas mehr Struktur. Genau deshalb sind die Rezepte aus Weg 1 für die meisten die richtigen.

Du suchst die Sand-Lehm-Linse?

Die wohnt jetzt bei den Nisthilfen.

Die Mischung für bodennistende Wildbienen steht dort, zusammen mit allem anderen zum Thema Nisten.

Zu den Nisthilfen →

Sonderfälle & Feinschliff

Wenn du es genauer brauchst.

Wasser- und Sumpfpflanzen (z.B. ein Sumpftopf an der Tränke)

Bewusst nährstoffarm, sonst veralgt es: 30 % Unterboden, 20 % Grünkompost, 50 % Sand, oben 2-3 cm Kies zum Abdecken.

Kalkliebende Arten

Eine Schaufel Gartenkalk in die Mischung. Für kalkmeidende Arten umgekehrt Granitsplitt statt Kalksplitt.

Bindiger oder lockerer machen

Tonmehl (Bentonit) macht den Boden bindiger und wasserhaltender. Holzfaser oder Laubkompost beugen Staunässe vor. Blähton und Perlite sparen Gewicht.

Düngen, wenn überhaupt, dann pflanzlich

Im ersten Jahr gar nicht, die Erde reicht. Ab dem zweiten höchstens eine dünne Lage Kompost im Frühling. Niemals tierische Dünger (Horn, Blut, Knochen, Schafwolle, Mist), pflanzliche Alternativen tun es genauso und ohne Tierleid.

Die genauen Rezepte und noch mehr Sonderfälle (alpine Bepflanzung usw.) stehen bei Reinhard Witt und Katharina Heuberger, beide in den Quellen.

Wichtig · Gewicht

Sand und Lehm sind schwer.

Ein Balkonkasten mit feuchtem Sand-Lehm-Substrat kann pro Liter gut anderthalb bis zwei Kilo wiegen. Bei einem großen Kasten schnell 40 bis 60 kg.

In Altbau-Mietshäusern (typisch für Leipzig) sind Balkone meist auf 350 bis 500 kg/m² ausgelegt, das klingt nach viel, ist aber bei vollen Pflanzkästen plus Möbeln schneller erreicht als man denkt. Wenn du Drainage brauchst, aber Gewicht sparen willst: Blähton oder Perlite statt Sand und Splitt, beides bekommst du im selben Laden. Im Zweifel schwere Gefäße nah an die Hauswand statt ans Geländer, und bei wirklich großen Mengen einmal die Hausverwaltung fragen.